Pack die Badehose ein.

Zugegeben, die Badehose ist bei diesem Wetter vielleicht die falsche Bekleidung, aber nicht wesentlich unpassender als die Dinge, die so mancher Zeitgenosse am Leibe trägt.
Nun bin ich als Enkel eines siebenbürgischen Luxusschneiders und bekennender Anzugträger, vielleicht nicht ganz unvorbelastet geschweige denn objektiv, aber ich bin nicht blind.
Es gibt den schönen Begriff der „Verfreizeitung“ in der Herrenbekleidung. Schüler mal ausgenommen, aber die haben ohnedes noch Ferien und somit sitzt keiner in der Bahn.
Wer während der Ferien um 7 Uhr 35 in eine S-Bahn steigt, fährt vermutlich zur Arbeit. Handwerker und Arbeiter, falls es in Berlin noch echte Arbeiter gibt, sind um diese Zeut schon „uff Maloche“, so dass nun eigentlich Angestellte und ähnliche ins Büro fahren. Aber wo sind diese Büros? In der Sporthalle oder auf Berggipfeln? Heute ist erst Dienstag und die äußere Erscheinung vieler Herren wäre selbst am Casual Friday der us-amerikanischen Ostküste unhöflich.

Bernhard Roetzels Blogbeitrag aus dem Juni 2010 kommentierte ich, recht passend zum heutigen Thema:

Schöner und treffender Artikel. Den Begriff der „Verfreizeitung“ greife ich gerne auf: Wir sehen doch heute bspw. in Büros des öffentlichen Dienstes und der freien Wirtschaft so genannte Herren, deren Kleidung eher signalisiert, dass sie hier einem entspannten Freizeitvergnügen nachgehen. Dazu kommen noch die „Infantilisierung der Herrenmode“ und die sog. „Entbürgerlichung“ der Gesellschaft. Wer nun selbst ohne Bürgerliche Regeln, Stilgefühl und Maßhalten in Formen und Farbe aufgewachsen ist hat es sicher sehr schwer dem eigenen Nachwuchs Stil und Form zu vermitteln. In der realexistierenden Bekleidung von heute können wir jedoch dezidiert erkennen, ob sich bei dem Träger um einen Herren handelt oder lediglich um einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts.

In anderem Zusammenhang kommentierte ich zum Thema „Früher alles Besser?“:

Wiedereinmal sprechen Sie mir aus der Seele.

Elegante Herrenbekleidung war früher eine Frage des Portemonnaies. Heute im Zeitalter von Konfektionsware ist es möglich, dass auch Herren mit schmalem Budget gut gekleidet sind. Sind sie aber i.d.R. nicht. Da drängen sich doch förmlich ein paar Fragen auf: Was ist uns wichtig? Welche Werte haben wir tatsächlich und wie präsentieren wir diese nach außen?

Schöne neue Welt…

Ich bin heute wieder so richtig altmodisch und ich bin es gern!

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

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