Vom Schnürsenkel.

Kennen sie das? Sie sitzen in der S-Bahn, schauen sich die Schuhe ihrer Mitreisenden an: Sie stutzen plötzlich und geraten über winzige Details ins Grübeln.
Schürsenkel, die durch das Wollen der Schuhträgerin vermeintlich künstlerisch – zumindest impliziert das die Farbwahl – in die Lochung eingefädelt wurden und somit zwar einen modischen Höhepunkt setzten, aber ihrer ureigenen Funktion beraubt wurden. Die Endstücke des türkis-, leicht petrolfarbenen Schürsenkels mit Knoten an der Flucht gehindert, schlängelt sich dieser nun nutzlose Textilwurm spiralförmig durch die Lochung des Sneakers, dessen Farbe an Halbbitterschokolade erinnert. Oben angekommen wurde dem Textischnürsenkel wiederum mit einem Knoten der Hals umgedreht und vermutlich alles Überstehende einfach mit der Schere verstümmelt.

Die Schnürsenkel

Die Schnürsenkel

So seiner Funktion beraubt, quasi kastriert, fristet der Schnürsenkel nun ein trauriges Dasein am Schuh einer Mittvierzigerin, deren hennarot gefärbte Haare sich mit dem hochrot ihres Mantels beißen, der verbissen zusammengekniffene Mund beim Lesen rundet das Ensemble ab.
Ob es wohl eigenartig ist, wenn man manchmal mit Schürsenkeln Mitleid hat?
Schönes Wochenende.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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