Olinda Zottelmeier. Oder Chantalismus anno Duzzemal.

Wer kennt nicht den grandiosen Chantalismus-Blog. Viele erfreuen sich tätglich all den möglichen und vor allem unmöglichen Kindernamen. Frau Nessy von Draußen nur Kännchen wies am 26.2.12 zu recht darauf hin, dass das Phänomen im Grunde keine neue Erscheinung ist.

Aus gegebenem Anlass möchte ich Ihnen folgenden Text nicht vorenthalten:

Wir möchten dieses Kapitel nicht schließen, ohne dem jungen Elternpaar einen wohlgemeinten Rat bei der Namenwahl des Neugeborenen zu geben.
In eurer überschwenglichen Freude seht ihr in eurem neuen Besitz einen Gegenstand von ganz besonderer Herrlichkeit und Schönheit. Kein Name scheint euch passend, wert und gut genug. Du, junge Mutter, plaidierst für die holden Mädchengestalten aus deinen Lieblingsromanen und weißt doch nicht, ob dein Kind, dem du den Namen Felicitas beilegst, den du gar zum Rufnamen Fee abkürzest, nicht einst unendlich unter diesem Namen und seinetwegen zu leiden haben wird. Ein unschönes, linkisches Geschöpf, eine grämliche alte Jungfer, auf den Namen Fee hörend, wieviel Spott und Hohn fordert das heraus! Ebenso eine Rose mit häßlichem Teint und vierschrötiger Gestalt und eine Edelgard, die sich nichts weniger als edel benimmt. Die Sucht nach besonderen Namen zeitigt Merkwürdigkeiten wie Olinda, Traute u.a. In Verbindung mit dem Namen »Zottelmeier« oder »Schickedanz« wirken sie unwillkürlich auf unsere Lachmuskeln.
Daß deutsche Eltern ihren Kindern englische oder spanische Vornamen geben, läßt sich zwar durch die Geschäftsbeziehung nach »drüben« erklären, aber nicht rechtfertigen.

 Quelle: Wedell, J. von: Wie soll ich mich benehmen? Stuttgart 4[o.J.], S. 376-389.
Lizenz: Gemeinfrei

Das undatierte Werk hat ein Kapitel „Bei Hofe“, daher ist davon auszugehen, dass es vor 1918 verfasst wurde.

Chantalismus und Kevinismus trieben auch anno Duzzemal lustige auswüchse und erheiterten unsere Vorväter und -mütter! In diesem Sinne.

Guten Abend Berlin.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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