Über das Ereifern.

Manchmal erschrickt man wirklich. Da Tummeln sich im Dunstkreis derer, die für ein absolut freies – was immer das bedeuten soll – Internet eintretenden Menschen, Personen die alles andere als freiheitsliebend sind. Virtuelle Kleingärtner und ihre Spießgesellen patroullieren durch das Netz. Das beweist aber, dass man nicht zwischen Internet und realer Welt unterscheiden kann.

Zugegen viele Äußerungen der Uhls und Hevelings dieser Welt teile ich nicht. Mir passen aber auch viele Verlautbarungen aus der sog. links-„liberalen“ Ecke nicht. Das veranlasst mich aber noch lange nicht dazu, mich nun zu ereifern. Es ist natürlich richtig: wenn jemand gegen Regeln und Gesetze verstößt, muss derjenige die Konsequenzen tragen. Und wenn jemand lauthals gegen Urheberrechtsverletzer vorgehen will und das dann selber tut, ist das zu allem Überfluss auch noch hochnotpeinlich. Nun aber ein Verzeichnis im Internet anzulegen in dem die „urheberrechtlichen Missetaten“ von Politikern angeprangert werden, ist schon etwas speziell. Da wird der politische „Feind“ – von Gegner kann man kaum mehr sprechen – mit einer Akribie beobachtet, dass man gar nicht weiß, ob da ehem. Ostblockgeheimdienste oder Eifefer mit zu viel Freizeit am Werk sind.Ich vermute Eiferer und digitale Spießer.

Wer kennt sie nicht in der analogen Welt. Die, die Falschparker aufschreiben, den Nachbarn melden, dass er zur falschen Zeit die Hecke schneidet, den Müll nicht richtig trennt etc. Das waren früher Spießer, Alt-Nazis und Co. Heute sind das die, die bspw. in Berlin ihren Kiez vor Touristen, Veränderungen, Andersdenkenden, Anderslebenden und Menschen bewahren wollen, die nach ihnen selbst zuziehen wollen. Eine fair-gehandelte Bionade-Bourgeoisie, die in der digitalen Ausprägung Club-Mate schlürft. Digitale Eiferer: der Eirferer ist eine der schlimmsten Spezies, die der Gattung Mensch zu zu ordnen ist. Er bringt nichts Gutes und weckt das Schlechteste in uns. Eventuell von einer – aus seiner Sicht – guten Sache angetrieben, verliert er Maß und Ziel. Es ist der Eiferer, der sich später freiwillig zum Folterknecht meldet, aus seinem Holz sind Blockwarte und revolutionäre Sittenwächter geschnitzt. Es macht nämlich einen Unterschied, ob ich den, der meinen Einfahrt zuparkt melde, oder ob ich durch das ganze Viertel mit dem Maßband ziehe und protokolliere und melde.

Aber jetzt will ich mich nicht ereifern, denn a) habe ich meinen Zeit nicht gestohlen und b) muss ich ja nicht selbst so werden, wie ich niemals sein wollte.

Hochladen: Drei, zwo, eins… Und dann gehts auch hier los, dass getretene Hunde sich getroffen fühlen und bellen.

Guten Tag Berlin!

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

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