Von religiösen Eiferern, Büchern und der Frage nach der eigenen Schuld.

„@sixtus: „Die Sicherheitsbehörden sind in Sorge“: Terroristen greifen mit Büchern an! http://t.co/r8B3KOYn #weltonlinemyass“

Ich teile die Meinung des Herrn Sixtus ja nicht oft, aber den Tweet fand ich gut. Es rauschte es ja die Tage durch alle Medien: Die Salafisten greifen mit Büchern an. Nicht mit irgendeinem Buch, sondern mit einer deutschen Übersetzung des Korans. Ich dachte ja immer, dass es Muslime aus religiösen Gründen ablehnen den Koran zu übersetzen, aber man lernt ja nie aus.
Ich habe die entsprechende Koranausgabe noch nicht un Händen gehalten und kann die Übersetzung nicht beurteilen. Mehr Fehler als beispielsweise in vielen Übersetzungen der Bibel können es da auch nicht sein und der Koran ist sicher nicht blutrünstiger als die Bibel.
Vielleicht sollten wir mal gegenseitig in unsere heiligen Bücher schauen? Vielleicht werden wir gegenseitig einige erhellende Momente haben? Vielleicht werden wir feststellen, dass wir alle an den einen Gott Glauben? Vielleicht werden alle religiösen Eiferer – seien es nun Salafisten, Kreationisten und was es da sonst noch alles gibt – feststellen, dass die Frage: Wer nun in der Hölle schmoren muss?; ganz allein von Gott dem Herrn entschieden wird und seiner Gnade obliegt.
Wir müssen die Salafisten ernst nehmen – genauso wie wir jede extremistische und radikale Haltung als Bedrohung für unsere Rechts- und Gesellschaftsordnung ernst nehmen müssen. Ich will die radikale Ausprägung „des Islams“ und den islamistische Terrorismus keineswegs verharmlosen. Das liegt mir wirklich fern! Wir dürfen uns aber nicht auf die arrogante Haltung versteifen: Dass da ein Haufen religiöser Fanatiker und Terroristenwerber mit Büchern und im Internet auf Bauernfang geht und die Leichtgläubigen und Grenzdebilen einfängt. Das ist zu einfach.
Wir müssen uns als Gesellschaft die Frage stellen nach den Gründen. Was ist für Menschem am Salafismus attraktiv? Welches Vakuum haben wir in unserer Gesellschaft, dass diese Form des Glaubens die Lücke füllt? Sind wir gar selbst die Schuldigen? Kann es vielleicht sein, dass grenzenloser Individualismus und absolute religiöse Beliebigkeit den Erfolg des Salafismus befördert. Kinder schreien nach Regeln. Wenn wir sie ihnen nicht geben, tun es andere und wir wundern uns. Wir sollten so fest im Glauben sein, dass er Schutz und Schild vor allen religiösen Eiferern ist.
Wir müssen den radikalen „Islam“ ernstnehmen, aber nicht sofort in die typischen Beißreflexe verfallen. Wir müssen uns – als Gesellschaft – auch nach innen Fragen was wir dem Salafismus und anderen – außer Polizei und Geheimdienst – an Werten entgegensetzen.
Guten Morgen Berlin. Amen.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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