Diese Überheblichkeit ist unerträglich.

Im Grunde liegt es mir fern laute Töne anzuschlagen, aber manchmal geht das nicht anders. Mir ist dieses zu tiefst hochnäsige Gehabe von weiten Teilen der veröffentlichten Meinung in Bezug auf das Betreuungsgeld und diese Frauenquote sehr zu wider. Diese Anmaßungen, diese beleidigende Art wie dort Frauen und Eltern in Mißkredit gebracht werden ist unerträglich.
Ich habe am Montag, 16.4.12, mal wieder die Kolumne des Herrn Augstein „Die unbefreite Frau“ bei Spiegel Online gelesen, zugegeben: Die Sichtweise des Herrn Fleischauer liegt mir näher, aber nur die eigene Meinung zu lesen bringt uns ja nicht weiter.
Ich werde mich jetzt sicher nicht über die verehrte Frau Ministerin Dr. Schröder auslassen, aber wenn Herr Augstein sie für so ungeeignet und ganz schlimm konservativ (für mich ein positives Wort) hält, so ist seine Kritik an Frau Dr. Schröder ein flammender Appell gegen jedwede Quotierung. Da ihr ja selbst der „Makel“ der Quote anhängt (Interwiew mit BamS vom 15.4.12).
In dem Zusammenhang empfehle ich auch den Artikel „Emanzipation ist wie Kaviar“ von Frau Rönicke, den ich mit keiner Silbe teile. Er zeigt aber viel über die Art und Weise wie Autoren aus dem selbst so genannten „links-liberalen“ Umfeld in ihrer staatsgläubigen Art ticken.
Wer will sich denn Anmaßen über die Fähigkeiten oder das Unvermögen von Frauen zu urteilen. Fragen sie doch mal wirklich erfolgreiche, starke Frauen. Quotierungen jeder Art fördern nicht die besten, sondern mal den mit dem „passenden“ Geschlecht, oder der „passenden“ ethnischen Herkunft, Religion, „sexuelle Orientierung“ etc. etc. pp. Und davon abgesehen, steht es dem Staat nicht zu in die Stellenbesetzung von Unternehmen hineinzuregieren. Was kommt als nächstes? Staatliche Festlegung der Investitionen oder der Produktpalette? Hatten wir schon mal: Hatte sich nicht bewährt.
Das zweite Lieblingsthema der vermeintlich progressiven Kräft in diesem Land ist der von beißreflexen geprägte Kampf gegen das Betreuungsgeld. Herdprämie, Fernhalteprämie, der Ideenreichtum postsozialistischer Wortschöpfungen ist schier grenzenlos. Was man da so liest, lässt einen Fragen welches Menschen- und Familienbild haben die fast vor Tollwut schäumenden Gegner? Kinder, die von ihren Familien erzogen werden – und es geht hier um die Lebensmonate 13 bis 36 – haben keine Chance zu guter Bildung und das Abitur können sie sich schon im Kinderwagen in die Haare schmieren. Das ist hahnebüchender Quatsch! Die 100,- bzw. später 150,- EUR sind eine Anerkennung der Erziehungsleistungen der Familien. Man kann sich natürlich nicht allen Argumenten der Gegner verschließen und es gibt sicher Familien da wäre es eventuell besser, dass diese Kinder frühzeitig in Einrichtungen kommen. Ich bin ja der Überzeugung, dass in diesem Alter das Bedürfnis nach Bindung größer ist als das nach „Bildung“ und kann mir kaum Vorstellen welche herausragende Bildungförderung einem Kleinkind von 13 Monaten zu teil werden soll?
Das beschämenste an der ganzen Diskussion ist aber, die Hochmütigkeit mit der sie geführt wird. Da wird Eltern grundweg die Erziehungskompetenz abgesprochen und eine autoritäre Staatsgläubigkeit schickt die Kinder in die Obhut des Staates, damit die Mütter und Väter – statt sich um die Pflege der nächsten Generation zu kümmern – an die Werkbank eilen, um den angeblich drohenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. Ich glaube fest, dass das der Plan ist: Frauen in die Produktion. Das gabs in den letzten beiden großen Kriegen, die wir verloren haben und der „Aufbau des Sozialismus“ ging bekanntlich auch in die Hose. Ich weiß nicht welchen Kampf die Wirtschaft mit Schützenhilfe von Links grade führt?
Gerade „Bildungsferne“ und „Hartz IV-Empfänger würde ein Anreiz zum „zu Hause bleiben“ gegeben. Was soll das heißen? Menschen ohne Abitur und Hochschulabschluss sind per Definition „Assis“ – wie auch Alg 2-Bezieher, die den Hunni gleich in Schnaps und Kippen investieren statt in die Kinder? Was für ein asoziales Menschenbild ist das denn. Sicher: es mag auch den ein oder anderen geben, wo das so sein wird, aber generell alle „Bildungsfernen“ und Hartz IV-Empfänger zu diffamieren ist eine Unverschämtheit. Das ist wohl eher die Angst vor zu wenig billigen Arbeitskräften Mutter des Gedankens. Und was ist das überhaupt für ein Begriff „bildungsfern“? Als würden Kinder von Eltern ohne Universitätsabschluss in der Gosse landen und eigentlich sind die alle nicht im Stande Kinder zu erziehen.
Wir müssen in der Diskussion alle mal einen Gang zurück schalten.
Nochmal zur Erinnerung.
Das Betreuungsgeld darf nicht isoliert betrachtet werden. Es ist neben dem Ausbau der Betreuungsangebote – für den die Kommunen zuständig sind – eine weitere Säule der Förderung junger Familien. Bei fehlenden Begreuungsplätzen ist nicht der Bund der Buhmamm.
Wir sollten mal erkennen, dass das eine nicht gegen das andere steht. Die Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen verdienen unsere Anerkennung und die, die aus welchen Gründen auch immer staatliche Betreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen wollen oder müssen, brauchen unsere Unterstützung. Hört bitte auf alle gegeneinander auszuspielen und vor allem: seit nicht so hochmütig. Der Volksmund sagt: „Hochmut kommt vor dem Fall“.
Guten Abend Berlin.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

  1. Schöner Artikel: Danke.

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