Peter Lustig 2.0. Oder: Facebook nervt und ist langweilig.

Liebes Facebook,
ich weiß gar nicht seit wann ich bei Dir bin. Das muss so um 2009 herum gewesen sein. Ich kam nicht aus Überzeugung zu Dir: studiVZ war man nun schon längst entwachsen und MeinVZ war irgendwie doof. Auf Facebook waren die interessanteren Menschen, es war internationaler und man hatte das Gefühl einem sozialen Netzwerk anzugehören, dass so ein bißchen digitales arte war. Doch dann änderte sich vieles.
Ich will hier gar nicht den Datenschutz erwähnen. Wir wissen alle nicht so ganz genau was Du so mit unseren Daten machst, die wir Dir so gedankenlos anvertrauen. Man merkt es halt nicht, wie Du uns quasi ausspionierst. Obwohl so richtig gut scheint das bei Dir nicht so gut zu klappen; was ich da manchmal für Werbung angezeigt bekomme! Das interessiert mich in 99,9 % der Anzeigen nicht die Bohne. Aber lassen wir das.
Früher warst Du spannend. Interessante Menschen, interessante Statusmeldungen und ich hatte das Gefühl gut informiert zu sein. Heute habe ich das Gefühl, dass Du mir die Statusmeldungen, die ich wirklich interessant finde, suchen muss. Werde aber dafür mit digitalem Mist zugeschüttete, der mich nicht wirklich interessiert. Liebes Facebook, wenn Du schon für mich entscheidest, was ich gut finde und was Du für mich filterst, dann mach es bitte richtig, oder lasse es einfach sein. Sag jetzt bitte nicht, dass ich das alles individuell einstellen kann. Das interessiert mich nicht: Du sollst ein kurzweiliger Zeitvertreib sein und mich nicht mit Arbeit zu schütten. Du bedeutest in zunehmendem Maße unnötige Arbeit. Alles Mogliche muss ich bei Dir einstellen und bearbeiten, damit wenigstens einige Informationen nicht Kreti und Pleti mitlesen können. Das wird – zumindest gefühlt – immer schlimmer und nervt ohne Ende.
Wo ich gerade bei Kreti und Pleti bin: Durch Dein rasantes Wachstum im deutschen Sprachraum wurde Dein Publikum nicht besser. Vor kurzem las ich: „Facebook ist nicht mehr arte, sondern RTL2.“ Und diesen Satz würde ich sofort unterschreiben. Die große Masse dessen, was Du mir vorsetzt, ist irrelevant und langweilt mich zunehmend. Du hast seit langem keinen Nutzen mehr für mich und klaust mir Lebenszeit. Ich denke schon länger darüber nach, es einfach wie Peter Lustig zu machen: Abschalten. Einfach abschalten, bzw. abmelden. Du wirst immer mehr wie Privatfernsehen, oder wie ich es nenne Schimpansen-Fernsehen, und das schaue ich – bis auf die Simpsons bei PRO7 – auch nicht mehr, da es unerträglicher Quatsch ist.
Liebes Facebook, ich glaube, dass Du Deinen Zenith überschritten hast und nun auf einem absteigenden Ast bist. Ich werde Dir ehebaldigst den Rücken kehren, noch bevor die Ratten das sinkende Schiff verlassen.
Liebes Facebook, es war schön mit Dir. Aber die Betonung liegt leider auf war. Du hast es vermasselt. Und von Deinem nordkoreanischen Demokratieverständnis möchte ich erst gar nicht reden. Nur ein Satz: Da war ja Zettelfalten in der DDR demokratischer als Deine vergangene Wahl.
Liebe Grüße aus der S-Bahn.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

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