Lagerfelds Jogginghose. Oder: Vom Willen Dinge falsch zu verstehen.

Ein kleines Karl Lagerfeld-Zitat hat mal wieder gezeigt, dass soziale Medien so ihre Tücken haben. Dorothee Bär und ich durften das gestern Abend auf Twitter amüsiert zur Kenntnis nehmen. Auslöser war ein Zitat von Karl Lagerfeld:

Kurz darauf zitierte Dorothee Bär den Tweet:

Dann kam der ein oder andere Falschversteher auf den Plan, den ich hier nicht wiedergeben werde, da man Trollen keine Plattform bieten sollte.

An all die Klugsch***** da draußen: Selbstverständlich ist bei sportlicher Betätigung eine Jogginghose usw. ein durchaus angemessenes Kleidungsstück. Auf dem Sportplatz, in der Halle etc. fällt auch eine Sportjacke aus Ballonseide nicht negativ auf. Karl Lagerfeld hat das auch sicher nicht gemeint. Es geht hier eher das außersportliche Tragen von Jogging- oder Bollerhosen.

Es gibt keine Stadt, in der so viele Menschen in Jogginghosen herumschlurfen wie in Berlin. – Thilo Sarrazin

Die Jogginghose außerhalb des Sports oder ggf. der eignen Wohnung zu tragen ist ein Ausdruck vom Fehlen jeden Stilgefühls und mitteleurpäischen Kleidungsnormen, bzw. bewusste Provokation bei Unterschichtsubkulturen, wie den britischen Chavs. Aber hier gilt: Wer es falsch verstehen will, versteht es falsch oder läuft selbst in Jogginghose und Ballonseidenjacke durch die Stadt.

Natürlich kam auch gleich der Einwurf: Cindy aus Marzahn, die Karl Lagerfeld ihre Jogginghose geschenkt habe. Da ich „Wetten, dass…?“ nicht schaue kann ich dazu nicht viel beitragen. Jedoch ist „Cindy aus Marzahn“ eine Kunstfigur von Frau Ilka Bessin, die eigentlich nicht lustig ist, da Frau Bessin hier eine gute Beobachtungsgabe besitzt und in die Figur Cindy, das alltägliche Elend projeziert. Ich glaube, dass Frau Bessin das sehr gut macht – es ist zugegeben nicht mein Humor. Festhalten muss man jedoch, dass Cindy zwar aus Marzahn ist, Frau Bessin jedoch in Wilmersdorf wohnt. Ich kenne Frau Bessin nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht im Jogginganzug einholen geht.

Insgesamt waren die Kommentare doch sehr amüsant und zeigen mal wieder, dass Menschen, die einfache Sachverhalte mißverstehen wollen, diese auch mißverstehen.

Nun wünsche ich allen einen ruhigen Karfreitag und empfehle dringend den Besuch in der Kirche; die Liturgie der Gedächtnisfeier vom Leiden und Tod Christi ist jedes Jahr aufs Neue beindruckend und die Lekture des Blogpost von Peter Tauber zum Tanzverbot an Karfreitag.

Guten Morgen Berlin.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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