Werter Herr Glööckler, nicht jede Frau kann ein Prinzessin sein.

Jetzt kann man von Herrn Glöckler und seiner Kunstfigur „Harald Glööckler“ halten was man will, aber er spielt die Rolle gut – auch wenn das nicht meins ist und für mich ja auch nicht gemacht wurde. Die Aussage „Jede Frau kann eine Prinzessin sein“ ist natürlich eine tolle Werbeaussage und verkauft auf ganz geschickte Weise Träume und Wünsche.

Kleidung hat ganz allgemein mehr Aufgaben als unsere Scham zu bedecken und unsere Haut vor Witterungseinflüssen zu schützen. Kleidung transportiert auch sozialen Rang und Stellung, politische Haltung und vieles mehr, als optische Aussage über den Träger nach außen. Wenn das nicht authentisch ist und Anspruch und Wirklichkeit eklatant auseinander gehen, dann wird ein Kleidungstück in Kombination mit anderen, schnell zur Karikatur.

Gestern auf dem Weg nach Hause fiel mir eine Jacke ins Auge, bei deren Anblick – in der Gesamtkomposition – die Netzhaut ganz pompöös löste.

2013-04-22 pompöös

Der Präsentator auf qvc.de erwähnte nicht ganz ohne Grund, dass man mit dieser Jacke auffallen wird und sie die Blicke fangen wird, oder so ähnlich.
Die Präsentation der Jacke, die wohl nur noch in Kamel verfügbar war sehen sie hier:

Aber es geht gar nicht so sehr um die Jacke, die nun mal ein typisches Glööckler-Produkt ist und sicher nicht meinen Geschmack trifft, aber – auf die Gefahr hin mich zu wiederholen – ich bin nicht die Zielgruppe von Herrn Glööcklers Kollektionen. Vielmehr geht es darum, dass ein Produkt einen Traum verkauft, der auch bei wohlwollender Auslegung durch Dritte vielen Trägerinnen nicht gerecht wird und, wie im vorliegenden Falle, ungünstigerweise zu einer karikaturenhaften Erscheinung wird.

Diese doch sehr auffällige Jacke, vermutlich ein Ed Hardy-Leibchen, diese Jeans, die in ihrer Ausgestaltung fast jeder Beschreibung spottet, ein – ich weiß gar nicht wie man das wirklich nennt – used-domestos-künstliche Tragespuren und wilde Muster-Look in Verbindung mit dieser Tasche, die in Gestaltung und Verabeitung eher an Polenmarkt als Designer erinnert und diese weißen Kloks. Die Kombination macht es nun mal und schafft dieses Ensemble, dass – mit Verlaub – ehrlich gesagt nur schlimm ausschaute. Mit einer nicht ganz so „flotten“ Jeans, einem T-Shirt, das nicht mit wilden Mustern aufwartete, dass man sich fragt, ob jemand auf das Hemd gespien habe, eine Kapuzenjacke in uni, die unter dem Begriff Basic firmiert, schwuppdiewupp, die Tante wäre zwar immer noch keine Prinzessin geworden, aber wesentlich unauffälliger und nicht-netzhautlösend gekleidet.

Ich muss Herrn Glööckler entschieden widersprechen. Keine Frau wird eine „Prinzessin“ nur weil sie sich ein Teil mit Glitzerkrone überwirft. Ein gekonnter Marketinggag um Hausfrauen bei QVC oder Bon Prix die Geldbörse zu öffnen. Geschickter Schachzug, aber für ein prinzessinnenhaftes Auftreten, was immer darunter nun zu verstehen ist (das gilt es noch zu definieren), brauch es etwas mehr.

So, wie aus einem nordhessischen Bauernbub durch Adoption eines Adoptierten kein anhaltinischer Prinz wird, so wird auch aus einer Vorstadtpomeranze durch Glitzerfummel mit Kröönchen keine Prinzessin. Bauer bleibt Bauer auch wenn er auf seidenem Kissen schläft. Weniger ist manchmal mehr.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

2 Kommentare

  1. Der Post hätte von mir sein können… Schön, dass es noch andere aufmerksam-investigative Blogger gibt 😉

  2. Pingback: Geflügelter Hintern, Kotze auf dem Hemd und Katzen. | Carl Couture

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