Kurze Hosen, die Zwote.

2013-06-14 shorts

Ach was muss an oft von bösen Bloggern hören oder lesen. Frei nach Wilhelm Busch wird sich das gestern auch der ein oder anderer Gedacht haben, der den gestrigen Tweet von Herrn Tilo Jung gelesen hat:

Von der Tatsache, dass mir dieser Tweet und sein das Posting auf Facebook bisher ungeahnte Zugriffszahlen beschehrten, für die ich mich auch artig bedankt habe, mal abgesehen, hat die daraus entstehende Diskussion gezeigt, dass Facebook tatsächlich eher RTL2 als ARTE ist, und dass die Twitteria – um diesen fürchterlichen Begriff mal aufzugreifen – es auf den Tod nicht leiden kann, wenn man Dinge anders sieht als der hippe Anteil der Club Mate-schlürfenden vermeintlich liberalen, urbanen und digitalen Eliten dieser Republik.

Im betreffenden Format auf YouTube geht es, wie ich gestern lernen durfte, um folgendes: „Ich spiele im Format einen jungen, naiven (aber interessierten und leicht zu begeisternden) Mann, der sich quasi ganz nebenbei mit relevanten Persönlichkeiten unterhält. Ich tue stets so als ob ich vom jeweiligen Thema der Folge fast keine bis null Ahnung hätte und basiere darauf das Gespräch. Mein Gegenüber wird dadurch gezwungen, sein Thema so verständlich wie möglich zu erklären.“ – krautreporter.de/jungundnaiv

Gut, es soll also Schauspiel sein. Da gibt es also einen jungen Mann, der – und das meine ich gar nicht böse – einen ausgeprägten Selbstdarstellungsdrang hat (wie wir alle hier, sonst würden wir nicht twittern, bloggen, posten…) und auf YouTube interviews führt. Das ist auch ganz nett und ordentlich gemacht, Lob und Anerkennung. Jedoch gefällt mir die Art und Weise der Interviewführung nicht und ich halte die Kleidung für unangemessen – was nicht heißen soll, dass Herr Jung bei den Interviews Anzug tragen soll. Ein Herr Jung im Anzug täte dem Format nicht gut, aber man muss auch nicht in Shorts oder im Ruderleibchen herumlaufen. Aufgemerkt: Das ist meine ganz persönliche Auffassung und wer sich auf dem eitlen digitalen Jahrmarkt als Marktschreier profilieren will, der darf auch mal Kritik einstecken. Sei es inhaltlich, an der Art und Weise der Interviewführung oder an der Arbeitskleidung des Hauptdarstellers.

Aber in einer geflauschten Welt der digitalen Nabelschau ist Kritik von Uncoolen nun einfach mal nicht vorgesehen und sollte man es sich doch wagen, so setzt lustigerweise sofort ein Beißreflex ein.

Da kommen dann auch die digitalen Blockwarte um die Ecke, humorlose Netz-Sittenwächter und die 2.0 Revolutionsgarden, die sofort zum digitalen Kampf von Raum zu Raum gegen alles und jeden andersdenkenden antreten. Ein entlarvendes Vergnügen das Treiben der digitalen Eiferer im Netz zu verfolgen, Jucheisassa.

Über Entbürgerlichung, Verfreizeitung und Infantilisierung der Herrenbekleidung habe ich mich an anderer Stelle schon ausgelassen.

Gerade auf Facebook waren es die meisten Kommentare nicht wert, kommentiert zu werden. Kann ich auch gar nicht. Aber einen möchte ich doch kommentieren.

Da schreibt Herr Andreas Freakley: „Man sollte den Herrn mal informieren, dass z.B. in Australien sogar Militäruniformen existieren, deren Bestandteil eine kurze Hose ist ^-^“ – Lieber Herr Freakley, dies weiß ich wohl. Aber Sie wissen schon, dass wir nicht in Australien leben? Auf Bermuda gehören die sog. Bermuda-Shorts zum geschäftstauglichen Anzug: Aber, wir sind auch nicht auf den Bahamas. Selbst die Bundeswehr kennt zum sandfarbenen Dienstanzug kurze Hosen. Diese Uniform darf aber nach ZDv 37/10 nur südlich des 40. Nördlichen Breitengrad getragen werden.

Ich neige ja dazu, das ein oder andere auch mal überspitzt zu formulieren. Was ich jedoch gestern und heute so lesen konnte, hat mich doch im großen und ganzen sehr amüsiert. Ich bedanke mich bei allen beteiligten für einen bunten Abend und verbleibe mir einem schallenden Hurra und wünsche allen Teilnehmern an den Endgeräten und Trollen dieser Republik ein schönes Wochenende. Ereifern ist schlecht für das Herz.

Advertisements

Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

  1. Daniel Bröckerhoff

    Sie haben wirklich zuviel Zeit, oder? Ich würde mir eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Format wünschen, aber Sie treiben es, wie 90% des durchschnittlichen Fernsehzuschauer: Was der Mann da sagt… Passt schon. Aber wie der ausschaut!

    Hochachtungsvoll,

    Die RTL II-Twitteria

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: