„Dritte Welt“-Land ohne Sonne.

Mit der Reichsgründung 1871 stieg Deutschland in so etwas wie die „Erste Liga“ auf und nach 143 Jahren und drei verlorenen Kriegen (1914-1918, 1939-1945, seit 2001) merkt man an allen Ecken und Kanten, dass Deutschland kurz vor dem Abstieg ist. Natürlich, wir sind immer noch Vize-Exportweltmeister und stehen im Vergleich zu anderen krisengebeutelten Ländern der Europäischen Gemeinschaften gut da. Aber wir haben Probleme: Zu wenig Kinder, eine vergreisende Gesellschaft, der angebliche Fachkräftemangel, bei dem Kapital und Sozialisten die Frauen gemeinsam an die Werkbank prügeln. Wir sind gefangen in einer Wachstums- und Konsumfalle bzw. nennen wir es doch besser Konsumterror etc. etc. pp.

Eine große Anzahl der Probleme, die wir haben sind hausgemacht bzw. herbeigeredet. Was nichts daran ändert, daß wir zum Dritte-Welt-Land ohne Sonne verkommen. Wir sind ach so modern und liberal und haben es gut – noch. Wenn jede Generation immer weniger Kinder bekommt und der Staat Familie – zwar nicht offen bekämpft -, aber konsequent kaputtregiert, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis hier die Lichter ausgehen. Die Kernprobleme einer Anti-Familienpolitik lassen sich auch nicht durch Zuwanderung lösen. Als wir noch in der Ersten Liga spielten, war das Schulsystem dreigliedrig und galt als das beste der Welt. Kinder wurden von ihren Müttern erzogen und gingen mit drei oder vier Jahren in den Kindergarten. Die Schule war – bis zur Oberstufe – um spätestens 13 Uhr zu Ende, das Abitur galt etwas und Abiturienten waren in der Lage ein Hochschulstudium zu beginnen. Die Väter mussten Arbeiten gehen und mit einem Gehalt konnte man die Bedürfnisse einer vier-  oder mehrköpfigen Familie decken. Man fuhr mit dem eigenen Auto nach Italien oder Österreich in Urlaub und Elektrogeräte wurden erst entsorgt, wenn der Elektrotechniker um die Ecke mit seinem Latein am Ende war nicht mehr reparieren konnte. Waschmaschinen hielten 30 Jahre und Sonntags gab es Braten. Ich bin mir gar nicht sicher wann sich das Blatt wendete. Es muss kurz nach dem Start des so genannten Privatfernsehens – dieser nicht-gebührenfinanzierten Verblödungseinrichtungen, die man ohne echte Not einführte, da man dem Drängen der deutschen Werbewirtschaft wohl nichts entgegenzusetzen hatte – und des Mauerfalls gewesen sein, als man begann den Bürgern medial Flausen in den Kopf zu setzen.

 

Flause Nr. 1 „Urlaub

Der Erholungsurlaub dient der Erholung und Wiederherstellung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers (Münchener Anwaltshandbuch Arbeitsrecht, § 27, Rn. 20) . Wenn man das für sich betrachtet, ist ein ein Spaziergang im Wald vermutlich erholsamer als der Aufenthalt auf Koh Samui bei 30° C und einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von fast 85 %. Der arbeitsrechtliche Urlaubszweck kann im heimischen Wald wohl eher bejaht werden, als bei Fern- und/oder Saufreisen. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Problematisch ist es nur, dass man seit etlichen Jahren den Menschen einredet, dass ihr Dasein menschenunwürdig sei, wenn man nicht mindestens zwei Mal im Jahr eine Fernreise macht. Und wenn man das nötige Kleingeld nicht hat, so kann man sich bei gewieften Kredithaien das Geld borgen. So kurbelt man die Touristikbranche und alles was dazu gehört sowie das Geldverleiherwesen an. Wenn der Urlaubsgeplagte seinen Kredit nicht bedienen kann, so haben wenigstens Inkassofirmen und Gerichtsvollzieher noch einen Vorteil davon. Eigentlich ist Spazierengehen im Wald statt sich zu überschulden ein gemeinschaftsschädigendes Verhalten und gehört bestraft.

 

Flause Nr. 2 „Heimelektronik etc.“

Jetzt mag man von Heimelektronik halten was man will. Das schlimmste am Fernseher ist das Programm und der Raum, der dem Gerät zugebilligt wird. Eigentlich ist es aberwitzig, dass die meisten Menschen in der westlichen Welt die Inneneinrichtung ihres Wohnzimmers rund um das Empfangsgerät herumbasteln. In den meisten Wohnzimmern ist die gesamte Einrichtung auf das zentrale Heiligtum ausgerichtet. Dabei ist der Fernseher und alles was damit zusammenhängt eigentlich überflüssig. Vor allem der gesammelte Unfug um die sog. Heimelektronik: Dolby Surround Anlagen, diverse Abspielgeräte für allerlei Datenträgerformate und die immer riesiger und gestochen scharfen TV-Geräte, die aber allesamt nur eine Lebenszeit von 2-3 Jahren haben. Früher kaufte man sich einen Fernseher, der hielt 10, 15 Jahre und wenn er endgültig kaputt war kaufte man sich ein neues Gerät. Das schlimme an diesen ganzen Geräten ist aber nicht nur die Geldverschwendung, die der Erwerb mit sich bringt, sondern dass das Gesehene nicht besser wird. Ein schwacher Film mit mauer Handlung wird nicht dadurch besser, dass er in 3D, Super HD-Dingeskirchen mit Rundumbeschallung etc. angeschaut wird.Ebenso wird ein guter Film nicht automatisch schlecht, wenn ich ihn auf einem 15 Jahre alten Röhrenfernseher schaue.

Wie bei Urlaubsreisen wird dem Kunden suggeriert, dass er ein menschenunwürdiges Dasein fristet, wenn er einen funktionstüchtigen, aber eben alten Fernseher hat und nicht den neuesten Mörder-Flatscreen und das dazugehörige Klimbim. Wem nun das nötige Kleingeld fehlt, dem machen Einzelhandel gemeinsam mit Kreditgebern verlockende Angebote, so dass man keine Anzahlung etc. leisten muss. Dass die Elektronikmärkte ihren Plunder nicht für Gotteslohn abgeben, das merken viele erst, wenn sie wegen dem ganzen technischen Krimskrams beim Schuldnerberater stehen, aber das gute ist ja: Fernseher sind nicht pfändbar.

Das Phänomen der Heimelektronik läßt sich auch auf Waschmaschinen, Eiskästen etc. ausweiten. Nur hier verschäften Industrie und die Europäische Gemeinschaft durch ständiges Herumdoktern an so genannten Energieverbrauchskennzeichnung, den Druck auf den Verbraucher, da man ja kein Ökoferkel sein will.

 

Flause Nr. 3 „Neue Familienmodelle“ alias g´schlamperte Verhältnisse

Um es vorne anzustellen bei der Lebensform, die Menschen miteinander wählen gilt für mich privat das Zitat Friedrichs II.: „hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden!„. Und es interessiert mich eigentlich auch nicht. Aber: Es kann nicht richtig sein, dass unter dem Deckmantel der Menschenfreundlichkeit nicht Ehe und Familie, die gerade unter jungen Menschen ein sehr hohes Ansehen haben, als gesellschaftliches Leitbild und Ideal erklärt wird, sondern alle anderen sind wichtiger und de facto die bessere Lebensform (vielleicht auch nur, weil das die Lebensform ist, die der ein oder andere Medienschaffende für sich gewählt hat) und jeder, der von der – von der veröffentlichten Meinung auf die Tagesordnung gehobene und wie eine Monstranz vor sich hergetragene – „neuen Lehr- und Lebensmeinung“ abweicht ist ein konservativer Menschenfeind. Wer sich aber nun aus freien Stücken gegen die Ehe entscheidet, der hat selbstverständlich auch keinen Rechtsanspruch auf die Privilegierung, die die Ehe bietet. Es ist heute aber leider Mode geworden, dass jeder aus dem persönlichen „Will ich aber haben“ einen vermeintlichen Rechtsanspruch herleitet. Das ist egoistische Rosinenpickerei einer vom Individualismus zerfressenen Gesellschaft (Mehr zum Thema: Mein Blogpost vom 28. Februar 2013).

Michael Prüller beschreibt es in seinem Kommentar: „Ministerin ohne Portefeuille – Was genau ist die Daseinsberechtigung eines Ministeriums für Familien, wenn „Familie“ keinen Inhalt mehr hat?“ ziemlich treffend: „Vor langer Zeit verstand man unter Familie die gesamte Hausgemeinschaft unter ihrem Oberhaupt. So zählten im alten Rom zur Familie des Pater familias auch die Sklaven und sogar das Vieh. In späteren europäischen Kulturen war Familie bisweilen synonym mit dem Clan, wurde aber ab 1850 zunehmend als bürgerliche Kleinfamilie (Eltern und ihre Kinder) verstanden. Heute bezeichnet „Familie“ jede beliebige Zahl von zusammen- oder nicht zusammenlebenden Erwachsenen mit oder ohne leibliche und/oder angenommene Kinder. Auch Alleinlebenden will man den Status der Familie nicht mehr vorenthalten. Familie ist damit wieder so, wie sie im alten Rom war, nur ohne den Pater familias, ohne Sklaven, Vieh und oft auch die Hausgemeinschaft. Familie ist alles – bzw. nichts mehr. Ein Familienministerium ist daher heute bloß ein Ministerium für jedwedes Zusammen- und Alleinleben.“ Ein „Familien“-Begriff, der eher an Rudelbildung erinnert kann doch nicht unser Maßstab sein!

 

Flause Nr. 4 “Die Lufthoheit über den Kinderbetten

Es ist 20. Oktober 12 Jahre her, dass der damalige Generalsekretär der SPD, Olaf Scholz, die viel sagenden Aussage, die SPD soll die „Lufthoheit über die Kinderbetten erobern“ machte. Dafür ist er zu recht gescholten worden und der Spruch hängt der SPD heute noch nach. Das hat das so genannte “bürgerliche Lager” jedoch nicht davon abgehalten in das selbe Horn zu stoßen. Jedoch mit dem rhetorischen Unterschied, dass man es “Lufthoheit” sonder “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” nennt. Auch den Unionsparteien und den derzeit kaum existenten Liberalen viel außer Krippe, Krippe und nochmal Krippe nichts ein. Man hat Milliarden in die Betreuungsinfrastrukur investiert und über Jahre vor allem den Frauen eingeredet, dass sie doch spätestens nach einem Jahr zurück in die Betriebe müssen um ein würdiges und “selbstbestimmtes” Dasein zu führen.Wie ekelhaft und vor allem von allen Seiten verlogen die Debatte geführt wurde, konnte man bei der Diskussion um das Betreuungsgeld erleben.

Herdprämie, Fernhalteprämie, der Ideenreichtum postsozialistischer Wortschöpfungen war schier grenzenlos. Was man da so las, ließ einen Fragen welches Menschen- und Familienbild haben die fast vor Tollwut schäumenden Gegner des Betreuungsgeldes? Kinder, die von ihren Familien erzogen werden – und es geht hier um die Lebensmonate 13 bis 36 – haben nach deren Definition keine Chance zu guter Bildung und das Abitur können sie sich schon im Kinderwagen in die Haare schmieren. Ich bin ja der Überzeugung, dass in diesem Alter das Bedürfnis nach Bindung größer ist als das nach “Bildung” und kann mir nachdem ich die Geschichte aus der ein oder anderen Ostberliner Betreuungseinrichtung vorgetragen bekam, kaum Vorstellen welche herausragende Bildungförderung einem Kleinkind von 13 Monaten zu teil werden soll?

Das beschämenste an der ganzen Diskussion war aber, die Hochmütigkeit mit der sie geführt wurde und wird. Da wird Eltern grundweg die Erziehungskompetenz abgesprochen und eine autoritäre Staatsgläubigkeit schickt die Kinder in die Obhut des Staates, damit die Mütter und Väter – statt sich um die Pflege der nächsten Generation zu kümmern – an die Werkbank eilen, um den angeblich drohenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. Ich glaube fest, dass das der Plan ist: Frauen in die Produktion. Das gabs in den letzten beiden großen Kriegen, die wir verloren haben und der “Aufbau des Sozialismus” ging bekanntlich auch in die Hose. Ich weiß nicht welchen Kampf die Wirtschaft mit Schützenhilfe von Links grade führt?

Gerade “Bildungsferne” und “Hartz IV-Empfänger würde ein Anreiz zum “zu Hause bleiben” gegeben. Was soll das heißen? Sind Menschen ohne Abitur und Hochschulabschluss per linker Definition “Assis” – wie auch Alg 2-Bezieher, die den Hunni gleich in Schnaps und Kippen investieren statt in die Kinder? Was für ein asoziales Menschenbild ist das denn. Alle so genannten “Bildungsfernen” und Hartz IV-Empfänger zu diffamieren ist eine Unverschämtheit. Das ist wohl eher die Angst vor zu wenig billigen Arbeitskräften Mutter des Gedankens. Und was ist das überhaupt für ein Begriff “bildungsfern”? Als würden Kinder von Eltern ohne Universitätabschluss in der Gosse landen und eigentlich sind die alle nicht im Stande Kinder zu erziehen.

Die Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen verdienen unsere Anerkennung und die, die aus welchen Gründen auch immer staatliche Betreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen wollen oder müssen, brauchen unsere Unterstützung. Hört bitte auf alle gegeneinander auszuspielen und vor allem: seit nicht so hochmütig. Der Volksmund sagt:“Hochmut kommt vor dem Fall”. Wenn aber die Leiterin einer Betreuungseinrichtung, die den Job schon in der DDR – unserm Musterländle der Kinderbetreuung und Bildung – machte, sagt: “Ein Kind unter drei Jahren gehört zur Mutter”, dann denken sie doch mal bitte darüber nach, was wir unseren Kindern antun.

Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, wie man mit dem schleichenden Niedergang umgehen soll, um das Beste daraus zu machen. Ich habe kein Rezept, aber ich darf es auch nicht entscheiden. Realitäten anerkennen verstehen wir halt meistens falsch.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

  1. Da bin ich gerade froh, dass Sie das nicht entscheiden dürfen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Die Furcht vor dem Aussterben der Deutschen? Die ursprünglichsten Europäer hatten eine schwarze Hautfarbe. Das dreigliedrige Schulsystem vermindert den Zugang auf Grund von Herkunft, was schon seit den 60er Jahren bekannt ist. Wie man am Kapitel „Urlaub“ sehen kann, leben Menschen eben schon nach ihrer Fasson, manche mögen das, auch wenn es Ihnen unverständlich vorkommen mag.
    Mag sein, dass man früher dem Geschichtenerzählenden zugehört hat, aber das macht heute ein Radio oder ein TV oder das Internet.

    Und das Familienmodell Ihrer Vorstellung läuft wohl eher auf der Ernähermodell zurück. Ja, in den guten alten Tagen, als die Männer noch bestimmten, was man im Haushalt machen und sagen darf. Am Besten den Frauen das arbeiten wieder verbieten, damit sie Zeit für die Kinder haben, die deutschen Kinder natürlich.

    Gesamtfazit: Das Leben ist Veränderung, und man kann sich nicht hinstellen und sagen, früher war alles besser – denn damals war sogar die Zukunft besser.

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