Und plötzlich bin ich „Radikaler“

Ach was muß man oft von bösen
Journalisten hör’n und lesen.

Da tönt es nun seit Sonntag in den sog. Sozialen Medien, daß in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ein Artikel von Frau Dr. Bednarz über „konservative Christen“ mit dem schönen Titel: „Die Radikalen“ veröffentlicht wurde. Am Montag war das Werk dann auch online zugänglich. So weit, so gut.

Frau Dr. Bednarz, die schon seit Jahren gegen Katholiken und evangelische Christen – die nicht blindlings dem bundesdeutschen Zeitgeist hinterherrennen – kämpft, bleibt auch in diesem Text ihrer Linie treu und wirft alles in einen braunen Topf. Das ist ihr gutes Recht, aber ich muß es ja nicht für richtig halten.
Aber lesen Sie selbst. Den besagten Artikel finden Sie hier: Die Radikalen.

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In dem Artikel selbst steht eigentlich auch nichts anderes, als in dem mit Herrn Dr. Andreas Püttman im Sommer 2015 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam veröffentlichten „Monitor Religion und Politik“ mit dem Titel Unheilige Allianzen. Radikalisierungstendenzen am rechten Rand der Kirchen.“ Nicht ganz unspannend ist, daß bereits im Mai 2015 Lucie Billmann eine Schrift mit dem Titel Unheilige Allianz. Das Geflecht von christlichen Fundamentalisten und politisch Rechten am Beispiel des Widerstands gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg herausgegeben hat. Der Unterschied ist nur, daß Frau Billmanns Schrift bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung der ehemaligen SED erschien und nicht in der CDU-nahen Adenauerstiftung. Aber sei es drum.

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Es mag ja sein, daß es zwischen AfD, sog. „konservativen Christen“ oder auch verächtlich „Rechtskatholiken“ genannt, inhaltliche Schnittmengen und auch  personelle Verwebungen gibt. Aber es schon ein wenig verwunderlich, daß eine treue katholische Haltung, die sich nicht von Rom losreißen will heute als „rechts“ gilt, bzw. von Zeitgeistjournalisten als „rechts“ diffamiert wird. Auffällig ist zudem, daß Frau Dr. Bednarz diese „Strömung“ bei evangelischen Christen zwar erwähnt aber im Grunde nur anschneidet, so daß man klar erkennen kann: Der Feind sammelt sich bei den Katholen.

Wer Ehe und Familie nicht der vermeintlichen Modernität opfern will, bekommt kurzerhand einen Aluhut aufgesetzt und wird als Verschwörungstheoretiker tituliert oder wird in die „Putinversteher“-Ecke gedrängt. Jeder, der – von der veröffentlichten Meinung auf die Tagesordnung gehobene und wie eine Monstranz vor sich her getragene – „neuen Lehr- und Lebensmeinung“ abweicht ist ein konservativer Kinderfresser.

Frau Dr. Bednarz hat eine doch sehr deutsche und evangelische Sicht auf die Römische Kirche, die nun mal Weltkirche ist. Den Aspekt der Weltkirche vergisst sie in ihrer Sicht und den vergessen auch zu viele geltungssüchtige Laien und Rätekatholiken. Die „deutschen“ Laienorganisationen – und die Anführungszeichen sind mit Absicht gesetzt, da der einen und universellen Kirche Nationalismen wesensfremd sind – fordern seit langem Positionen, die der Lehre der Kirche widersprechen und in im überwiegenden Teil der Welt nicht verstanden werden. Die „deutsche“ Position ist vermutlich ziemlich isoliert. „Deutsche“ Laien und auch die Vertreter der schreibenden Zunft verstehen auch nicht, daß die Römische Kirche eine universelle Kirche ist und die Gläubigen die Dogmen die Lehren der Kirche keine Wunschkataloge sind, wo sich der Christ das herauspickt, was ihm gerade zusagt. Es ist die Freiheit des Gläubigen sich in Treue und Gehorsam unserm Herrn Jesus Christus und seinen Nachfolgern zu unterwerfen. Zur Freiheit gehört auch, daß ich mich von alledem lossagen kann: Muß aber dann mit der Konsequenz leben.

Wer heute nicht um die goldenen Kälber des Zeitgeistes tanzt macht sich in meinungsbestimmenden Kreisen verdächtig. Wer heute mahnt, daß die Gebote zu halten sind und der Glaube eben kein Christstollen ist, in dem ich mir nach Gusto die Rosinen herauspicken kann, kann nur „rechts“ sein. Wer heute das Laster beim Namen nennt gilt als Menschenfeind. Aber auch wenn sich die Modernen und Aufgeklärten selbst den Heiligenschein aufsetzen und auf die jämmerlichen Wichte der Altgläubigen herabblicken, so bedenkt: Wir sind alle fehler- und sündhaft.

Mathias von Gersdorff beschreibt in einem Blogpost die Unterstellungen und die „Kaskade des Verdachts“ im Bednarzschen FAS-Artikel unter anderem so:

„Publikation X ist populistisch, Autor Y, der dort mal geschrieben hat, ist es also auch. Person Z, die mit Autor X befreundet ist, ist es dann ebenso. Inhalte spielen keine Rolle, es geht lediglich um die „Vernetzung“. Schon der harmlose Kontakt „kontaminiert“.“

Aber Herr von Gersdorff ist sicher auch einer von den Bösen.

 

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Ein Kommentar

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