Hütet Euch vor klugen Königen.

Langsam macht es keinen Spaß mehr: Twitter auf. Trum, Trump, Trump, alles möglichen Vergleiche zu und mit Trump. Schulz. Twitter zu. Das geht nun seit Wochen so. Da liest man die eigenartigsten Dinge und besonders skuril fand ich die ein oder anderen Tweets, die Donald Trump als schlimmsten Herrscher seit Georg III. beschrieben.

Da fiel mir spontan das Interview mit Merlin Hanbury-Tracy, 7th Baron Sudeley ein, das Alexander Schönburg in seinem Buch „Alles was sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ veröffentlichte.

[…] Man muss schon ein eingefleischter Monarchist sein, um daran vorbeizusehen, dass ein dummer Monarch viel Schaden anrichten kann.

Eine recht engstirnige Sicht, junger Mann. In Wahrheit ist es doch so, dass in der jungeren Geschichte viel Unheil von angeblich begabten Monarchen angerichtet worden ist. Das Wirken minderbemittelter Monarchen war hingegen oft überaus segensreich! Ihnen als Deutschem müsste dies doch besonders einleuchten. Denken Sie an Ihren Friedrich den Großen! Er korrespondierte mit Voltaire, war sicher alles andere als ein Banause – und dennoch reduzierte er durch seine fürchterlichen Kriege seine Untertanen um knapp die Hälfte. Oder nehmen Sie Friedrich III. von Preußen uns sein Frau Vicky. Sie waren ohne Zweifel für ihren Stand ungewöhnlich kluge und fortschrittliche Menschen, aber gerade das führte dazu, dass sie ihren Sohn, den späteren Wilhelm II., unendlich quälten, weil jener weder geistig noch körperlich ihren hochgesteckten Erwartungen entsprach. Das Ergebnis ist bekannt: ein zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn schwankender deutscher Kaiser, der as Reich nicht, wie sich seine kluge Mutter es sich gewünscht hatte, herrlichen Zeiten entgegen-, sondern in den Weltkrieg und die Monarchie in den Untergang führte.

Aber es gibt doch auch Fälle von Wahnsinn, die einen Herrscher regierungsunfähig machen. Was ist mit Georg III.?

Ein sehr gutes Beispiel. Das Desinteresse unserer hannoveranischen Könige am Regieren machte die Schaffung des Amtes des Premierministers überhaupt erst notwendig und brachte die historisch einzigartige frühe Stärkung des Parlamants un unserem Land hervor. Jeder Demokrat müsste Georg III. ewig dankbar sein. Auch mag Georg III. mental zeitweilig etwas instabil gewesen sein, zudem war er alles andere als ein großer Freund der Wissenschaften, aber durch seine finanzielle Hilfe ermöglichte er den größten Astronomen seiner Zeit epochemachende Forschungen. Und obwohl er selbst kein Gelehrter war, häufte er dennoch die größte und bedeutenste Buchsammlung seines Jahrhunderts an. Gehen Sie ins British Museum uns sehen Sie sich dort die King’s Library an! Georg III. war auch sicher kein Freund der Künste, und doch gründete er in London die weltberühmte Royal Academy of Arts.

Zusammenfassend kann man getrost sagen: Hütet Euch also vor klugen Königen. Oft sind es die Supergescheiten, die dem Land mehr schaden, als ein geistig schwacher.

Quelle: http://d-nb.info/994326327, S. 79 f.

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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