Der 20. Juli, Tschingederassabum und ein Göttinger Professor.

Sehr geehrter unbekannter Herr Professor,

der Volksmund sagt: „Aushorcher und Angeber sind Teufels Netzeweber.“ Und die sog. „sozialen Medien“ sind geradezu voll von Angebern und natürlich auch den Aushorchern. Mag sein, daß ich zu den Angebern gehöre: Twitter als Nabelschau und digitale „Man bin ich gut-Wand“.

In welche der beiden Kategorien Ihre Antwort auf diesen Tweet fällt, das überlasse ich gerne Ihnen:

Den „Verteiler“ ihrer Antwort finde ich schon ein wenig eigen. Warum Sie den Kanzleramtsminister, meinen ehemaligen Arbeitgeber und das Ressort Politik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Kopie setzten ist mir schon klar. Aber das kommentiere ich nicht.

Wenige Stunden zuvor hatten Sie einen Artike der FAZ geteilt:

Bei dem Festakt in Plötzensee wäre eine Bemerkung wie #tschingderassabum mehr als unpassend und gehört da auch nicht hin.

Jedoch ist das Gelöbnis am 20. Juli auf dem Paradeplatz keine Trauerveranstaltung sondern ein erhebender Moment, für die angetretenen Soldaten und deren Familien. Auf dem Paradeplatz gibt das Stabsmusikkorps der Bundeswehr für die Gäste zuerst ein Platzkonzert und da werden sicher keine Trauermärsche gespielt. Das ist „tschingderassabum und humpatäterä“ in allerhöchster Güte.

Sehr geehrter Herr Professor, haben Sie eigentlich gedient? Kennen Sie das Gefühl, das Feierliche Gelöbnis abzulegen? Die Militärmusik, der Ehrenzug, Truppenfahne, die Familie vor Ort, die Hymne. Das ist auf dem Kasernenhof oder dem Sportplatz von Kleinkleckersdorf schon erhebend. Und nun stellen Sie sich vor, daß Sie auf dem Paradeplatz des Bundesministeriums der Verteidigung im Beisein der Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, des Generalinspekteurs, Vertretern von Politik und den Familien der Angehörigen des 20. Juli geloben das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteitigen. So wahr Ihnen Gott helfe: Das Gefühl ist mit #tschingderassabum wohlwollend umschrieben.

Ich kann die Gelöbnisse auf denen ich war nicht mehr zählen, aber dieses Gefühl ist immer noch da. Mag sein, daß Sie dieses Gefühl nicht kennen. Das ist sehr schade. Denn es ist ein gutes Gefühl.

Ein ungutes Gefühl hingegen ist Denunziation und es zeugt nicht von besonderer Größe persönlich zu diffamieren und aus dem Zusammenhang gerissene Antworten zu zitieren.

Eigentlich sollten Sie sich schämen. Aber ich beschwere mich sicher nicht bei Ihrem Arbeitgeber darüber. Das habe ich ganz sicher nicht nötig und Sie wissen ja: Wenn Paul über Peter spricht. Erfahren wir mehr über Paul als über Peter.

 

Advertisements

Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: